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Was kann das FÖJ denn sonst noch bieten?

Hier soll es einmal um die zusätzlichen Aktivitäten  gehen, die unsere FÖJlerinnen durchführen. Auslöser dafür war natürlich die Corona-Krise. Unsere FÖJlerinnen sind  seit dem ersten Tag ständig sehr aktiv mit ihrer täglichen Arbeit beschäftigt. Dazu würde der Platz auf unserer Homepage gar nicht ausreichen, um diese Tätigkeiten angemessen zu würdigen.

Aber 2020/2021 fallen praktisch fast alle Tätigkeiten davon weg! 

Hanna, unsere derzeitige Kraft (im wahrsten Sinne des Wortes), scheute keine Anstrengungen um diese entstandene Lücke mit Arbeit zu füllen. Zunächst widmete sie sich intensivst und sehr erfolgreich unseren Stabheuschrecken, Wandelnden Blättern und den von Max 'gelieferten' Australischen Gespenstheuschrecken', was zwangsläufig dazu führte, dass wir von einem auf mittlerweile drei Terrarien aufsteigen mussten. Da dies aber nur eine vorübergehende Beschäftigung war, kontaktierten wir die Mitarbeiter des Tierparks und wurden schnell fündig, was zusätzliche Arbeit für Hanna betraf. 

 


Hanna und ihre großen Madagaskar-Taggeckos

Die Geckos im Tierpark-Café hatten sich entschlossen, ein paar Eier zu legen. Diese mussten nun gehegt und  gepflegt werden, damit der Nachwuchs auch gesichert schlüpfen und sich entwickeln kann. Diese Aufgabe wollte Hanna gerne übernehmen. Es wurde ein weiteres Terrarium angeschafft, sowie Literatur und weiteres Zubehör, was für solche Fälle notwendig ist. Mit der "mentalen und  Tipp-reichen" Unterstützung von Max machte sich Hanna ans Werk!

 

Sie wird hier regelmäßig über Fortschritte, Erfolge und Probleme berichten! -

So fing im Oktober 2020 alles an. die "Doppel-Eier" lagen in einer  "aufwendigen Brutbox" und  Mitte Oktober waren die ersten Geckos geschlüpft!


Oktober 2020

Als Max eines Tages mit 3 Doppeleiern von unseren Großen Madagassischen Taggeckos in unserem Natureum stand und sie Volker und mir buchstäblich in die Hände drückte, staunten wir nicht schlecht. Die "Elterntiere", wie ich sie jetzt einmal bezeichne, lassen sich im Café des Tierparks antreffen und waren mir des Weiteren nicht fremd, da es eine meiner Aufgaben war, mich um diese Reptilien zu kümmern. Das heißt, dass ich bestenfalls täglich das Terrarium bewässere und die 3 wunderschönen Geckos füttere, zumeist mit Heuschrecken aber auch mit einer Art Obstbrei, der immer besonders begehrt ist.

Da die Phelsumen (= Taggeckos) ihr natürliches Habitat im nördlichen Teil des Regenwaldes auf Madagaskar haben, ist eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine gewisse Wärme ein absolutes Muss im Terrarium der Tiere. Nun standen wir also mit den Eiern da. Mit der Hilfe von Max bauten wir schnell einen klassischen Wasserbrüter auf: Wir nahmen uns ein kleines Aquarium; befüllten dieses etwa bis zur Hälfte mit Wasser; montierten ein Wasserthermometer mit der Einstellung auf 29°C; stellten ein großes Glas ins Wasser, sodass das Glas oben hinaus ragte; befüllten eine Schale, welche dann auf das Glas gestellt wurde, mit nassem Terrarien-Untergrund und drapierten ganz vorsichtig und behutsam die Doppeleier auf das feuchte Substrat. Diese Vorsicht ist besonders wichtig, denn wenn die Eier nach der Ablage zu stark bewegt werden, können beim Jungtier Fehlbildungen entstehen. Außerdem muss auch aus einem weiteren Grund darauf geachtet werden, dass die Eier nicht verdreht werden: Die Jungtiere liegen in dem Ei schon mit dem Kopf oben. Da bei der Eiablage der Madagaskar-Taggeckos meistens Doppeleier und nur äußerst selten Einzeleier entspringen, können die Doppeleier in der Natur nicht gedreht werden. Falls nun eine Drehung beim Übersetzen in den Brüter durch Menschenhand passieren sollte, kann es also sein, dass der junge Gecko nicht mehr schlüpfen kann, da sein Kopf womöglich nun 'unten' anstatt 'oben' im Ei positioniert ist.

Das Aquarium an sich haben wir mit einer Frischhaltefolie mit Löchern zur verbesserten Luftzirkulation im 'Brüter' abgedeckt. Außerdem ist an dieser Stelle noch wichtig zu erwähnen, dass die kleine Schale mit den korrekt platzierten Eiern auch noch ausbruchssicher gestaltet werden muss: Wenn die Kleinen schlüpfen, klettern sie ohne Weiteres auch die niedrigen Wände der Schale hoch und könnten dann mit etwas Pech ins Wasser des Aquariums fallen und würden dort dann leider ertrinken, da es aus dem Aquarium keinen Weg hinaus gibt. Zur Abdeckung der Schale eignet sich NICHT eine Petrischale, da damit die nötige Luftzirkulation nicht mehr gewährleistet ist. Nachdem mir dies bewusst wurde, stieg ich sofort auf ein  relativ engmaschiges  Keschernetz um, welches ich mit Gummibändern an der Schale befestigte.

 

Nun stand der Brüter also fertig da, er hatte seinen Platz neben unseren 3 Terrarien mit den Australischen Gespensterschrecken, den Wandelnden Blättern und den Stabschrecken gefunden. Nach etwa 2-3 Monaten können die jungen Phelsumen schlüpfen.

Nun hieß es also abwarten, wobei meine Begeisterung immer weiter stieg. Bis Max mir meine Euphorie nahm. Es war noch nicht einmal sicher, ob die Eier überhaupt befruchtet waren und wenn ja, ob die kleinen Geckos es auch schafften, sich im Brüter genügend zu entwickeln! Dies waren schließlich die allerersten - und bisher auch einzigen - Eier der Elterntiere. Das Ganze war also nur als ein Versuch, ein Experiment anzusehen.

Mit dieser niederdrückenden Nachricht hieß es also nicht nur Abwarten, die neue Devise klang eher so:  abwarten, den Eiern im Brüter "guten Mut zusprechen", Daumen drücken und Tee trinken. - Na, in Volkers und meinem Fall wohl eher fleißig Kaffee trinken!

(c) Hanna Hinrichs


November 2020

Eines eigentlich normalen Morgens im schon recht düsteren November betrat ich das Natureum und lief wie an jedem anderen Morgen lediglich mäßig neugierig zum Brüter. Dies war schnell eine Routine geworden, doch je mehr Zeit verstrich, desto kürzer wurden die erwartungsvollen Blicke auf die Eier.

Selbstverständlich musste das Mini-Aquarium immer mal wieder mit etwas Wasser neu aufgefüllt werden, da durch die Wärme der Heizung viel verdunstete; ebenso musste das Terrarien-Substrat in der Schale immer mal wieder befeuchtet werden.

Doch dieser eine Morgen war eben anders, komplett anders. Es ist tatsächlich passiert! Da war ein schier winziger Gecko im Schälchen! Ich konnte mein Glück kaum fassen und musste doppelt hinschauen. Aber nein, ich bildete mir dieses kleine, atmende Wesen dort nicht ein, ganz und gar nicht. Der Gecko war ganz matt und dunkel gefärbt, obgleich man seine schicke rote Maserung schon erkennen konnte. Dies liegt daran, dass die Phelsumen direkt nach dem Schlupf ihre erste Häutung vollziehen. Dem kleinen Gecko baute ich kurzerhand ein improvisiertes Quartier in einer größeren Plastikkiste auf und schrieb erst einmal Max an, übermittelte ihm die frohe Nachricht. Meine Aufregung und mein Glück kann man nicht in Worte fassen, ich war ganz hibbelig. Max ließ nicht lange auf sich warten und zusammen begutachteten wir zunächst den frischgeschlüpften Gecko und anschließend äußerst vorsichtig natürlich die restlichen Doppeleier, indem wir sie mit einer Taschenlampe durchleuchteten. Und mussten feststellen, dass in vielen Eiern ein Gecko heranwuchs! Man konnte zum Teil eindeutig die Extremitäten sehen und ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass mir einer dieser Geckos beim Durchleuchten quasi "zugewunken" hat. Leider konnten wir hiervon keine gescheiten Bilder machen, aber der Anblick war schon atemberaubend. Max und ich einigten uns darauf, dass er den frischgeschlüpften Gecko mit in seine Obhut nahm und ich weiterhin die anderen "ausbrütete".

Es dauerte nicht allzu lange, da durfte ich wieder am frühen Morgen gleich 2 junge Geckos auf dieser Welt begrüßen. Ich war ganz aus dem Häuschen. Zu meiner unbeschreiblichen Freude gesellte sich aber auch eine immer größer werdende Verwirrung: Da waren 2 Geckos und ein Doppel-Ei. "Konnte das sein? - Wohl kaum. Hatte Max etwa ein Doppel-Ei hinzugelegt, ohne mich zu informieren? Nein, das wäre absurd", waren in diesem Augenblick ungefähr meine Gedanken. Aber tatsächlich schlüpfen aus einem Doppel-Ei 2 Geckos, in jedem Ei einer. Zwar waren diese kleinen Lebewesen, wie schon erwähnt wirklich klein, aber dass sie in die noch viel kleineren Eier passen würden, hätte ich mir nie ausgemalt. 

Und bei diesen beiden Geckos wurde es mir schlagartig bewusst: Ich bin Mutter geworden! Und ja, Volker wird wohl bestätigen, dass ich mich auch wie eine Mutter verhalten habe!  (ɔ◔‿◔)ɔ ♥  

Schnell baute ich ihnen in unserem 'Notfall-Terrarium' (quasi die Kinderstube) ein kleines aber feines Zuhause auf; der Boden wurde mit Haushaltspapier ausgelegt, kleine Äste zum Klettern sowie Papprollen als Rückzugsorte beziehungsweise Versteckmöglichkeiten wurden angebracht und kleine Wasserschälchen hinzugestellt. Bei frischgeschlüpften Phelsumen ist für die nächsten Tage das bereitgestellte Wasser ausreichend, da die Tiere sich derzeit noch vom Eidotter ernähren.

Mitte November war der Schlupf vollzogen, unser Natureum beherbergte jetzt 4 mit einer Ausnahme kerngesunde Geckos. Die Ausnahme war der zuletzt Geschlüpfte: Nebst seiner geringen Größe im Gegensatz zu seinen älteren Geschwistern hatte er einen Nabelriss erlitten. Eine derartige Wunde kann glücklicherweise ohne Weiteres wieder verwachsen und so hieß es dementsprechend geduldig sein und beobachten. Die 4 Geckos bekamen nun kleine flugunfähige Fruchtfliegen serviert, welche auch gerne gefressen, beziehungsweise durchs Terrarium gejagt wurden. Desweiteren häuteten sich die Kleinen unglaublich oft, manches Mal sogar mehrmals an einem Tag. Es machte jetzt schon riesigen Spaß, den Geckos beim Toben, Jagen, Fressen und vor allem Wachsen zuzusehen.

(c) Hanna Hinrichs


Dezember 2020

Die vier Geckos konnten allerdings langfristig nicht in dem komplett verglasten Terrarium leben. Durch eine Glasdecke gelangen nämlich nicht alle Spektren des Lichts der Lampe ins Terrarium. Insbesondere die UV-Strahlen sind von großer Bedeutung bei der Haltung von großen Madagaskar-Taggeckos. Ultraviolettes Licht regt bei Phelsumen den Appetit an, sorgt für eine schöne Färbung und bewirkt, dass das Vitamin D3 produziert wird, welches zur richtigen Entwicklung unbedingt notwendig ist. Denn ohne dieses Vitamin können die Tiere kein Kalzium in die Knochen einbauen.

Das neue Heim des Quartetts hatte hingegen eine Draht-Decke und so wurde dieser Licht- beziehungsweise Vitaminmangel schnell behoben. Hierzu mussten die Jungtiere unserer Insekten, sprich kleine Gespensterschrecken, Wandelnde Blätter sowie Stabschrecken, in das gläserne Terrarium umziehen, um den Geckos ihr Terrarium zu überlassen. Die Einrichtung des Terrariums setzte sich anfänglich ebenfalls aus kleinen Papprollen als Versteckmöglichkeiten, Stöckern zum Klettern, Glasschälchen als Wassernapf und Zewa-Papier auf dem Boden zusammen; später kam noch eine Pflanze hinzu. Bald schon musste auch anderweitig mit Vitaminen nachgeholfen werden, die Supplementierung, also das Bestäuben der Futtertiere (Fruchtfliegen) wurde ebenfalls immer wichtiger. Da Insekten in der Natur viel nahrhafter sind, müssen sie im Terrarium ergänzt, sprich supplementiert werden. Bestäubt wurden die Fruchtfliegen von nun an mit einer recht großzügigen Dosierung von Multivitaminen und Kalzium. Getoppt wurde die Ernährung der Geckos noch mit super gut angenommenem Obstbrei und aus dem Zoofachhandel erworbenem Jelly.

Beim Säubern des Terrariums geschah es des Öfteren, dass der ein oder andere Gecko auf meine Hand sprang und von dort aus etwas Obstbrei zu sich nahm, sich im Natureum umsah oder einfach nur die Wärme genoss. -Obgleich wir selbstverständlich auch an eine Wärmelampe, die an eine Glasscheibe strahlte, gedacht hatten. Das Resultat davon war, dass die Phelsumen im wahrsten Sinne des Wortes an der Scheibe klebten um die Wärme aufzunehmen, beziehungsweise zu genießen.

Nur der zuletzt Geschlüpfte zog sich immer weiter zurück und zeigte weder Begeisterung noch Interesse an dem Futter, er fraß extrem wenig. Während seine Artgenossen begeistert die Fliegen durchs Terrarium jagten und sich regelrecht für den Fruchtbrei die Zunge verbogen, zeigte er keine dieser Verhaltensweisen und wollte schlichtweg nicht fressen. So wurde er auch dünner und dünner. Der Nabelriss hingegen schien tatsächlich etwas zu verheilen, war aber dennoch deutlich sichtbar. Wir machten uns reichlich Sorgen um den Kleinen. Denn die Anderen wurden immer größer und so stieg dementsprechend auch der Konkurrenzdruck auf den Gecko der scheinbar nun gar nicht wachsen wollte. Also entschlossen wir uns in Absprache mit Max, den Kleinen zu separieren. Dies geschah in Form einer alten 'Haribo-Box' gefüllt mit einer Toilettenrolle, kleinen Stöckern und einem Wassernapf. In den Deckel der Box wurde ein größeres Loch geschnitten und mit einer dünnen Strumpfhose überdeckt. So konnte der Kleine nicht aus seinem neuen Heim hinaus, noch die anderen Geckos zu ihm hinein, in der Box herrschte aber dasselbe Klima mit denselben Lichtverhältnissen wie im Terrarium. Die Box fand ihren Platz am Boden des Terrariums. Von nun an bekam der Separierte seine eigenen Fruchtfliegen und seinen eigenen Fruchtbrei. -

Gleichzeitig entschlossen wir uns, zukünftig einen Gecko bei uns im Natureum halten zu wollen. Sogleich war ein großes Terrarium angeschafft worden, das es nun hieß einzurichten. Neben dem wahrlichen Koloss von Terrarium war auch eine Benebelungsanlage mit dabei, die das Terrarium automatisch auf eine hohe Luftfeuchtigkeit bringen konnte. Anschließend legten wir uns einen Wasserlauf an, große Bambusröhren, Stöcker, einen Fressnapf, diverse Pflanzen sowie eine Wärmelampe. Natürlich mussten wir uns noch ein wenig gedulden; der Gecko musste erst einmal eine gewisse Größe aufweisen um umzuziehen. Aber eingerichtet hatten wir das Terrarium wenigstens und die Pflanzen konnten in aller Ruhe ungestört anwachsen.

(c) Hanna Hinrichs