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Was kann das FÖJ denn sonst noch bieten?

Hier soll es einmal um die zusätzlichen Aktivitäten  gehen, die unsere FÖJlerinnen durchführen. Auslöser dafür war natürlich die Corona-Krise. Unsere FÖJlerinnen sind  seit dem ersten Tag ständig sehr aktiv mit ihrer täglichen Arbeit beschäftigt. Dazu würde der Platz auf unserer Homepage gar nicht ausreichen, um diese Tätigkeiten angemessen zu würdigen.

Aber 2020/2021 fallen praktisch fast alle Tätigkeiten davon weg! 

Hanna, unsere derzeitige Kraft (im wahrsten Sinne des Wortes), scheute keine Anstrengungen um diese entstandene Lücke mit Arbeit zu füllen. Zunächst widmete sie sich intensivst und sehr erfolgreich unseren Stabheuschrecken, Wandelnden Blättern und den von Max 'gelieferten' Australischen Gespenstheuschrecken', was zwangsläufig dazu führte, dass wir von einem auf mittlerweile drei Terrarien aufsteigen mussten. Da dies aber nur eine vorübergehende Beschäftigung war, kontaktierten wir die Mitarbeiter des Tierparks und wurden schnell fündig, was zusätzliche Arbeit für Hanna betraf. 

 


Hanna und ihre großen Madagaskar-Taggeckos

Die Geckos im Tierpark-Café hatten sich entschlossen, ein paar Eier zu legen. Diese mussten nun gehegt und  gepflegt werden, damit der Nachwuchs auch gesichert schlüpfen und sich entwickeln kann. Diese Aufgabe wollte Hanna gerne übernehmen. Es wurde ein weiteres Terrarium angeschafft, sowie Literatur und weiteres Zubehör, was für solche Fälle notwendig ist. Mit der "mentalen und  Tipp-reichen" Unterstützung von Max machte sich Hanna ans Werk!

 

Sie wird hier regelmäßig über Fortschritte, Erfolge, Tipps und Probleme berichten! -

So fing im Oktober 2020 alles an. die "Doppel-Eier" lagen in einer  "aufwendigen Brutbox" und  Mitte Oktober waren die ersten Geckos geschlüpft!


Und hier geht es gleich los. Wenn Ihr den Start und die gesamte Entwicklung miterleben wollt, müsst Ihr ganz nach unten scrollen. Denn der neueste Artikel, die aktuelle Entwicklung steht natürlich, wie immer und überall, hier oben.

Also gleich hier:


März 2021

Die ganze Hingabe machte sich glücklicherweise bezahlt: Den ganzen März über konnte man förmlich zusehen, wie die Wunde des Phelsumen ganz, ganz langsam wieder abheilte. Von Tag zu Tag verschwand die grau-blaue Verfärbung und stattdessen bahnte sich das wunderschöne grelle Grün zurück an seinen Platz. Schon bald zeichneten sich wieder gut sichtbar die roten Maserungen ihren Weg über Kantos Rücken. Zu sehen, wie die Wunde zwar langsam aber sicher immer weiter dezimiert wurde war eine riesige Erleichterung. Nicht nur für uns, wie sich herausstellte: Kantos Verhalten veränderte sich während des fortschreitenden Heilungsprozesses nahezu grundlegend! Er nutzte die neuen, also die im Februar angebrachten, kleineren Bambusstäbe mit viel Neugierde. Auf einmal war er richtig aktiv und zeigte sich auch oft, man konnte ihn immer recht schnell an einem der Stäbe auffinden. Denn vorher hatte sich der Kleine ja hauptsächlich zurückgezogen und versteckt - zunächst in den großen Bambusröhren und als diese entfernt wurden, in den dunklen Nischen an der Styropor-Rückwand des Terrariums. Zusätzlich zeigte Kanto auch, was für ein kleines Energiebündel er doch war: So konnten wir ihn oftmals von einem Bambusstab zum nächsten oder zur Glaswand springen sehen oder er flitzte in einem wirklich beachtlichen Tempo die Inneneinrichtung des Terrariums hoch oder runter.

Doch nicht nur diese Verhaltensänderung fiel auf: Noch wesentlich aussagekräftiger war, dass Kanto nicht nur Interesse am Terrarium fand, sondern auch außerhalb. - Er sah sich in aller Ruhe das alltägliche Leben im Natureum an. Sei es, dass ich mich um die anderen Terrarien gekümmert habe, den Tisch gewischt habe, im Schrank rumgekramt habe, Kaffee getrunken habe, etc.... Kanto nahm das alles sehr bewusst wahr und beobachtete alles ganz genau. Er entwickelte sich also zu einem ziemlich offensichtlichen, aber extrem aufmerksamen Stalker. Doch gerade über dieses veränderte Gemüt freute ich mich am meisten: Dies war ganz typisches Gecko-Verhalten!

 

Mit all diesen Tatsachen und natürlich dem Fakt, wie toll Kantos Rücken gegen Ende des Monats aussah, ließen Max und ich die strenge Beobachtungsfrist fallen. - Kanto war über den Berg, er hatte die Krankheit überwunden. Die Verletzung beeinträchtigte keineswegs das Wachstum des jungen Geckos: Er wuchs weiterhin kräftig heran und fraß im Verlaufe des Monats ebenfalls immer mehr Grillen, was selbstverständlich ein weiterhin sehr positiver Punkt ist. Irgendwann bekam Kanto auch nicht nur Grillen vorgesetzt, nein, er konnte sich auch für Babybrei als kleinen Snack zwischendurch begeistern. Wobei er sich aber auch mit völliger Begeisterung auf Mehlwürmer stürzte. Jene bekam er aber nur recht selten, da sie sehr gehaltvoll sind und bei zu hoher Gabe schnell zur Verfettung des Geckos führen können.

(c) Hanna Hinrichs


Februar 2021

Anfang des Monats war es dann soweit: Es war Zeit, von der quirligen WG Abschied zu nehmen! Die Geckos waren nun schon so groß, dass sie ohne Bedenken in größere Terrarien unterkommen konnten. Eines Wochenendes nahm Max zwei Geckos mit sich und vermittelte sie an Tierpfleger. Am Montagmorgen guckte ich dann etwas blöd aus der Wäsche, da mich nur noch ein Gecko aus dem Terrarium anschaute. Um genau zu sein war es Kanto; so heißt unser Gecko. Dies ist ein madagassischer Name und bedeutet so viel wie 'Der Schöne'. Alsbald zog Kanto dann ein Terrarium weiter - In den 'Koloss', der schon im Dezember eingerichtet wurde. Hier musste er sich erst einmal einleben und sein neues Reich vorsichtig erkunden. - Er war im Vergleich dann doch noch ziemlich klein und es gab so viel zu entdecken! Er schien sich aber nach ein paar Tagen glücklicherweise wohl zu fühlen und häutete sich fleißig.

Hier fingen dann aber gegen Mitte des Monats Probleme an: Sobald eine Häutung vollzogen war, folgte nahtlos danach eine neue Häutung. Dies war ein bisschen ungewöhnlich, aber na gut. Die 'zweite' Häutung verlief aber nicht reibungslos, die letzten Hautfetzen wollten einfach nicht abgehen. Diese Häutungsprobleme zogen sich über Tage hin. - Dabei sollte ein Gecko innerhalb eines Tages gerne mit der Häutung fertig sein! Ich habe daraufhin die Luftfeuchtigkeit erhöht in der Hoffnung, Kanto bei seiner Häutung etwas zu helfen. - Ein Fehler, wie ich nachher feststellen musste. Während der Häutung fressen Phelsumen typischerweise nicht sonderlich viel, der Körper konzentriert sich eher auf das Fortschreiten der Häutung. Kanto hat täglich zwei Grillen genommen, obgleich ich ihm auch mehr angeboten habe. Diese Gegebenheit hat mich stutzig gemacht. Denn im Tierpark-Büro hauste in einem Terrarium nun auch der allererste Gecko namens Mahaleo, den Max mitgenommen hatte. Mahaleo fraß an einem Tag fünf Grillen. Man muss dazu sagen, dass Mahaleo auch wesentlich früher geschlüpft ist als Kanto und auch um einiges größer war, aber dennoch war es seltsam.

So liefen die Tage fort, ohne eine große Veränderung. Meistens versteckte sich Kanto entweder in den großen Bambusrohren oder in den dunklen Einbuchtungen der Styropor-Rückwand, hierbei war er stets dunkel gefärbt. Zu etwa diesem Zeitpunkt entwickelte sich auf seinem Rücken eine üble Verfärbung, die leider keiner von uns ernst genommen hatte. Die Verfärbung hatte doch wahrscheinlich lediglich etwas mit der Häutung zu tun, war die Annahme.

Gleichzeitig stellte ich fest, dass ich definitiv zu großzügig mit der erhöhten Luftfeuchtigkeit war: Es hatte sich eine extreme Nässe am Bodengrund gebildet, was mir sehr missfiel. Ich passte erneut die Zeiten der Benebelungsanlage an und versuchte, die Bodenfeuchtigkeit wieder zu dezimieren. Als die Stelle auf dem Rücken des Geckos aber immer größer wurde und dazu auch noch dunkler in einem Grau-/Blauton und man die markanten roten Maserungen vielleicht nur noch hätte erahnen können, schrillten bei uns förmlich die Alarmglocken. Bläuliche Verfärbungen an einem eigentlich wunderschönen grell-grünen Gecko?? Ganz, ganz, ganz schlechtes Zeichen!

Mit Max Hilfe untersuchten wir unseren Gecko und die Ratlosigkeit wurde immer größer. Max meinte, dass der Gecko hinüber sei und rechnete Kanto kaum noch Überlebenschancen an. Über diese Diagnose war ich absolut gar nicht angetan, sah aber ein, dass wir das Tier nicht quälen sollten, indem wir es so in diesem Zustand seinem Schicksal überließen. Wir hatten leider keinen Plan, was diese Verfärbung war, noch was sie zu bedeuten hatte, noch woher sie kam. Wir waren absolut überfragt. War der Kleine etwa in den Schutzkäfig um die Wärmelampe geklettert und hatte sich dort dann verbrannt? Dies war quasi die einzige Möglichkeit, die wir in Betracht ziehen konnten, auch wenn sie leicht zu widerlegen war: Wenn sich Kanto wirklich verbrannt hätte, hätte er doch wohl kaum so schnell wieder aus dem Schutzkäfig herausgefunden und wäre zu 99% wohl eher in dem Käfig verendet. Trotzdem sicherten wir noch einmal zusätzlich die Wärmelampe und verdeckten jedes noch so kleine Loch, wo der Gecko eventuell hätte reinpassen können, mit Kabelbindern. Max und ich einigten uns anschließend auf eine strenge Beobachtungsfrist von zwei Wochen: Sollte Kanto keine gesundheitliche Verbesserung nach dieser Frist zeigen, dann wäre eine Erlösung nötig. Während dieser Frist sollte ich außerdem genau die Parameter - also Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Terrarium - im Auge behalten, sowie Bilder von der Wunde machen, um eine [heiß ersehnte positive] Veränderung festzuhalten.

 

Am nächsten Tag stellten Volker und ich erschrocken fest, dass die großen Bambusrohre an der Rückwand -Kantos Rückzugsorte - stellenweise zu schimmeln anfingen. Wie konnte das sein? Bambus ist doch schließlich bekannt dafür, eine hohe Luftfeuchtigkeitstoleranz zu haben... Und die Rohre sollen auch vorm Kauf schon lange gestanden haben, sodass sie eigentlich nicht schimmeln dürften. Ich setzte mich daraufhin sehr dafür ein, die Rohre sofort aus dem Terrarium zu nehmen, denn Kanto krabbelte ja auch auf den Rohren und somit auf den betroffenen Flächen herum. Volker musste ich das nicht lange erklären, er willigte sofort ein und zusammen entfernten wir die Rohre. Als Ersatz hierfür bediente ich mich mit Volkers Einwilligung bei unseren dünnen Bambusrohren aus dem Lagerhaus. Die standen da höchstwahrscheinlich schon jahrelang und sollten keine Probleme machen. So strukturierte ich das Terrarium schnell um, Kanto hatte nun viel mehr Klettermöglichkeiten aber im Umkehrschluss weniger Versteckmöglichkeiten. Dieser Umstand war jedoch ganz gut im Hinblick auf die gesundheitlichen Probleme von unserem Gecko und der strikten Beobachtung der Wunde. Denn ich hatte parallel schon mit dem Gedanken gespielt, Kanto zurück in ein kleines Terrarium zur besseren Beobachtung zu stecken, ihn also in Quarantäne zu schicken. So war das Problem geregelt und ich musste dem Kleinen keinen weiteren Stress zumuten.

Stattdessen kümmerten wir uns alle hingebungsvoll um unseren Pflegling: Er bekam Grillen; super leckeres Jelly und selbstverständlich Fruchtbrei; reichliches Gutzureden; Tipps, diese letzten, nervigen Hautfetzen los zu werden; Motivationsreden und nicht zuletzt einen putzigen Kumpel: Volker hatte ein kleines, nicht unbekanntes Plastik-Chamäleon namens Pascal aus dem Disneyfilm 'Rapunzel - Neu verföhnt' erworben. Pascal fand als weiterer Ansporn für den Gecko oberhalb der Türen des Terrariums vor dem Lichtkasten seinen Platz. Kanto musste nur noch etwas mithelfen, denn die Zeit der Beobachtungsfrist lief ja bereits und dies, wie es die Zeit eben an sich hat, unaufhörlich - - - -

(c) Hanna Hinrichs


Januar 2021

Das neue Jahr 2021 fing mit einer trüben Erkenntnis an: Die Separation des "Sorgen-Gecko" erzielte nicht die gewünschten Effekte. Der Kleine verblieb dabei, nur so wenig Futter aufzunehmen, wie zum Überleben nötig war. Entwicklung? Groß und stark werden? - Nein, diese Fragen schienen den Gecko nicht zu kümmern, stattdessen versuchte er immer wieder, aus seiner Haribo-Box herauszukommen. Die Fruchtfliegen krabbelten auf ihm herum, ohne dass es ihn großartig interessierte. Der leckere Fruchtbrei wurde wenig bis gar nicht angerührt. So konnte es nicht weitergehen, verhungern sollte er selbstverständlich auf gar keinen Fall. Wir waren ratlos. Schließlich nahm ihn dann schließlich Max mit und übergab ihn in die Hände einer Tierpflegerin. Und diese letzte Hoffnung bewährte sich glücklicherweise: Die Tierpflegerin konnte das Tier wieder zum Fressen bewegen beziehungsweise brachte es ihm neu bei und konnte ihn auf diese Art und Weise aufpäppeln. Auch die Wunde an seiner Unterseite, der Nabelriss, verheilte in der neuen Obhut komplett. Womöglich hatten die drei Geckos doch noch einen so großen Einfluss auf den Separierten, dass er sich nicht ans Fressen traute.

Das verbliebene Gecko-Trio entwickelte sich hingegen weiterhin prächtig. Sie genossen die Wärmelampe, den Fruchtbrei und reichlich Aufmerksamkeit. So manches Mal setzten sie sich einfach so auf meine Hand und schauten sich in aller Ruhe unser Natureum vom neuen Blickwinkel aus an. Auch ihren geliebten Fruchtbrei schleckten sie mir von der Hand. Als sie immer größer wurden, war an eine Ernährung mit Fruchtfliegen nicht mehr zu denken. Es musste etwas Größeres her! Wir probierten es zunächst mit kleinen Grillen, die sofort begierig heruntergeschlungen wurden. Auch die Grillen werden weiterhin mit Calcium und Multivitaminen supplementiert. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Geckos dann auch mit einer Pinzette einzeln gefüttert, jeder bekam genau so viel wie der andere. Diese Regel einzuhalten war aus Gründen des Futterneides zwar schwierig, aber noch einhaltbar. Beim Füttern polarisierte dann oftmals dieser Futterneid und um dem einen Gecko Stress zu ersparen, wurde der andere dann eben mit der Hand als Barrikade auf Abstand gehalten. Sonst hat man die drei häufig zu dritt an der Glasscheibe zur Wärmelampe hin gesehen oder später dann auch auf der Pflanze. Trotzdem war uns allen klar, dass diese Friedlichkeit nicht lange anhalten würde. Spätestens nach einem halben Jahr überwiegt dann die territoriale Aggressivität der Tiere, die man am besten als Einzeltier oder oder als Paar halten sollte. -

(c) Hanna Hinrichs


Dezember 2020

Die vier Geckos konnten allerdings langfristig nicht in dem komplett verglasten Terrarium leben. Durch eine Glasdecke gelangen nämlich nicht alle Spektren des Lichts der Lampe ins Terrarium. Insbesondere die UV-Strahlen sind von großer Bedeutung bei der Haltung von großen Madagaskar-Taggeckos. Ultraviolettes Licht regt bei Phelsumen den Appetit an, sorgt für eine schöne Färbung und bewirkt, dass das Vitamin D3 produziert wird, welches zur richtigen Entwicklung unbedingt notwendig ist. Denn ohne dieses Vitamin können die Tiere kein Kalzium in die Knochen einbauen.

Das neue Heim des Quartetts hatte hingegen eine Draht-Decke und so wurde dieser Licht- beziehungsweise Vitaminmangel schnell behoben. Hierzu mussten die Jungtiere unserer Insekten, sprich kleine Gespensterschrecken, Wandelnde Blätter sowie Stabschrecken, in das gläserne Terrarium umziehen, um den Geckos ihr Terrarium zu überlassen. Die Einrichtung des Terrariums setzte sich anfänglich ebenfalls aus kleinen Papprollen als Versteckmöglichkeiten, Stöckern zum Klettern, Glasschälchen als Wassernapf und Zewa-Papier auf dem Boden zusammen; später kam noch eine Pflanze hinzu. Bald schon musste auch anderweitig mit Vitaminen nachgeholfen werden, die Supplementierung, also das Bestäuben der Futtertiere (Fruchtfliegen) wurde ebenfalls immer wichtiger. Da Insekten in der Natur viel nahrhafter sind, müssen sie im Terrarium ergänzt, sprich supplementiert werden. Bestäubt wurden die Fruchtfliegen von nun an mit einer recht großzügigen Dosierung von Multivitaminen und Kalzium. Getoppt wurde die Ernährung der Geckos noch mit super gut angenommenem Obstbrei und aus dem Zoofachhandel erworbenem Jelly.

Beim Säubern des Terrariums geschah es des Öfteren, dass der ein oder andere Gecko auf meine Hand sprang und von dort aus etwas Obstbrei zu sich nahm, sich im Natureum umsah oder einfach nur die Wärme genoss. -Obgleich wir selbstverständlich auch an eine Wärmelampe, die an eine Glasscheibe strahlte, gedacht hatten. Das Resultat davon war, dass die Phelsumen im wahrsten Sinne des Wortes an der Scheibe klebten um die Wärme aufzunehmen, beziehungsweise zu genießen.

Nur der zuletzt Geschlüpfte zog sich immer weiter zurück und zeigte weder Begeisterung noch Interesse an dem Futter, er fraß extrem wenig. Während seine Artgenossen begeistert die Fliegen durchs Terrarium jagten und sich regelrecht für den Fruchtbrei die Zunge verbogen, zeigte er keine dieser Verhaltensweisen und wollte schlichtweg nicht fressen. So wurde er auch dünner und dünner. Der Nabelriss hingegen schien tatsächlich etwas zu verheilen, war aber dennoch deutlich sichtbar. Wir machten uns reichlich Sorgen um den Kleinen. Denn die Anderen wurden immer größer und so stieg dementsprechend auch der Konkurrenzdruck auf den Gecko der scheinbar nun gar nicht wachsen wollte. Also entschlossen wir uns in Absprache mit Max, den Kleinen zu separieren. Dies geschah in Form einer alten 'Haribo-Box' gefüllt mit einer Toilettenrolle, kleinen Stöckern und einem Wassernapf. In den Deckel der Box wurde ein größeres Loch geschnitten und mit einer dünnen Strumpfhose überdeckt. So konnte der Kleine nicht aus seinem neuen Heim hinaus, noch die anderen Geckos zu ihm hinein, in der Box herrschte aber dasselbe Klima mit denselben Lichtverhältnissen wie im Terrarium. Die Box fand ihren Platz am Boden des Terrariums. Von nun an bekam der Separierte seine eigenen Fruchtfliegen und seinen eigenen Fruchtbrei. -

(c) Hanna Hinrichs

Gleichzeitig entschlossen wir uns, zukünftig einen Gecko bei uns im Natureum halten zu wollen. Sogleich war ein großes Terrarium angeschafft worden, das es nun hieß einzurichten. Neben dem wahrlichen Koloss von Terrarium war auch eine Benebelungsanlage mit dabei, die das Terrarium automatisch auf eine hohe Luftfeuchtigkeit bringen konnte. Anschließend legten wir uns einen Wasserlauf an, große Bambusröhren, Stöcker, einen Fressnapf, diverse Pflanzen sowie eine Wärmelampe. Natürlich mussten wir uns noch ein wenig gedulden; der Gecko musste erst einmal eine gewisse Größe aufweisen um umzuziehen. Aber eingerichtet hatten wir das Terrarium wenigstens und die Pflanzen konnten in aller Ruhe ungestört anwachsen.

(c) Hanna Hinrichs


November 2020

Eines eigentlich normalen Morgens im schon recht düsteren November betrat ich das Natureum und lief wie an jedem anderen Morgen lediglich mäßig neugierig zum Brüter. Dies war schnell eine Routine geworden, doch je mehr Zeit verstrich, desto kürzer wurden die erwartungsvollen Blicke auf die Eier.

Selbstverständlich musste das Mini-Aquarium immer mal wieder mit etwas Wasser neu aufgefüllt werden, da durch die Wärme der Heizung viel verdunstete; ebenso musste das Terrarien-Substrat in der Schale immer mal wieder befeuchtet werden.

Doch dieser eine Morgen war eben anders, komplett anders. Es ist tatsächlich passiert! Da war ein schier winziger Gecko im Schälchen! Ich konnte mein Glück kaum fassen und musste doppelt hinschauen. Aber nein, ich bildete mir dieses kleine, atmende Wesen dort nicht ein, ganz und gar nicht. Der Gecko war ganz matt und dunkel gefärbt, obgleich man seine schicke rote Maserung schon erkennen konnte. Dies liegt daran, dass die Phelsumen direkt nach dem Schlupf ihre erste Häutung vollziehen. Dem kleinen Gecko baute ich kurzerhand ein improvisiertes Quartier in einer größeren Plastikkiste auf und schrieb erst einmal Max an, übermittelte ihm die frohe Nachricht. Meine Aufregung und mein Glück kann man nicht in Worte fassen, ich war ganz hibbelig. Max ließ nicht lange auf sich warten und zusammen begutachteten wir zunächst den frischgeschlüpften Gecko und anschließend äußerst vorsichtig natürlich die restlichen Doppeleier, indem wir sie mit einer Taschenlampe durchleuchteten. Und mussten feststellen, dass in vielen Eiern ein Gecko heranwuchs! Man konnte zum Teil eindeutig die Extremitäten sehen und ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass mir einer dieser Geckos beim Durchleuchten quasi "zugewunken" hat. Leider konnten wir hiervon keine gescheiten Bilder machen, aber der Anblick war schon atemberaubend. Max und ich einigten uns darauf, dass er den frischgeschlüpften Gecko mit in seine Obhut nahm und ich weiterhin die anderen "ausbrütete".

Es dauerte nicht allzu lange, da durfte ich wieder am frühen Morgen gleich 2 junge Geckos auf dieser Welt begrüßen. Ich war ganz aus dem Häuschen. Zu meiner unbeschreiblichen Freude gesellte sich aber auch eine immer größer werdende Verwirrung: Da waren 2 Geckos und ein Doppel-Ei. "Konnte das sein? - Wohl kaum. Hatte Max etwa ein Doppel-Ei hinzugelegt, ohne mich zu informieren? Nein, das wäre absurd", waren in diesem Augenblick ungefähr meine Gedanken. Aber tatsächlich schlüpfen aus einem Doppel-Ei 2 Geckos, in jedem Ei einer. Zwar waren diese kleinen Lebewesen, wie schon erwähnt wirklich klein, aber dass sie in die noch viel kleineren Eier passen würden, hätte ich mir nie ausgemalt. 

Und bei diesen beiden Geckos wurde es mir schlagartig bewusst: Ich bin Mutter geworden! Und ja, Volker wird wohl bestätigen, dass ich mich auch wie eine Mutter verhalten habe!  (ɔ◔‿◔)ɔ ♥  

Schnell baute ich ihnen in unserem 'Notfall-Terrarium' (quasi die Kinderstube) ein kleines aber feines Zuhause auf; der Boden wurde mit Haushaltspapier ausgelegt, kleine Äste zum Klettern sowie Papprollen als Rückzugsorte beziehungsweise Versteckmöglichkeiten wurden angebracht und kleine Wasserschälchen hinzugestellt. Bei frischgeschlüpften Phelsumen ist für die nächsten Tage das bereitgestellte Wasser ausreichend, da die Tiere sich derzeit noch vom Eidotter ernähren.

Mitte November war der Schlupf vollzogen, unser Natureum beherbergte jetzt 4 mit einer Ausnahme kerngesunde Geckos. Die Ausnahme war der zuletzt Geschlüpfte: Nebst seiner geringen Größe im Gegensatz zu seinen älteren Geschwistern hatte er einen Nabelriss erlitten. Eine derartige Wunde kann glücklicherweise ohne Weiteres wieder verwachsen und so hieß es dementsprechend geduldig sein und beobachten. Die 4 Geckos bekamen nun kleine flugunfähige Fruchtfliegen serviert, welche auch gerne gefressen, beziehungsweise durchs Terrarium gejagt wurden. Desweiteren häuteten sich die Kleinen unglaublich oft, manches Mal sogar mehrmals an einem Tag. Es machte jetzt schon riesigen Spaß, den Geckos beim Toben, Jagen, Fressen und vor allem Wachsen zuzusehen.

(c) Hanna Hinrichs


Oktober 2020

Als Max eines Tages mit 3 Doppeleiern von unseren Großen Madagassischen Taggeckos in unserem Natureum stand und sie Volker und mir buchstäblich in die Hände drückte, staunten wir nicht schlecht. Die "Elterntiere", wie ich sie jetzt einmal bezeichne, lassen sich im Café des Tierparks antreffen und waren mir des Weiteren nicht fremd, da es eine meiner Aufgaben war, mich um diese Reptilien zu kümmern. Das heißt, dass ich bestenfalls täglich das Terrarium bewässere und die 3 wunderschönen Geckos füttere, zumeist mit Heuschrecken aber auch mit einer Art Obstbrei, der immer besonders begehrt ist.

Da die Phelsumen (= Taggeckos) ihr natürliches Habitat im nördlichen Teil des Regenwaldes auf Madagaskar haben, ist eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine gewisse Wärme ein absolutes Muss im Terrarium der Tiere. Nun standen wir also mit den Eiern da. Mit der Hilfe von Max bauten wir schnell einen klassischen Wasserbrüter auf: Wir nahmen uns ein kleines Aquarium; befüllten dieses etwa bis zur Hälfte mit Wasser; montierten ein Wasserthermometer mit der Einstellung auf 29°C; stellten ein großes Glas ins Wasser, sodass das Glas oben hinaus ragte; befüllten eine Schale, welche dann auf das Glas gestellt wurde, mit nassem Terrarien-Untergrund und drapierten ganz vorsichtig und behutsam die Doppeleier auf das feuchte Substrat. Diese Vorsicht ist besonders wichtig, denn wenn die Eier nach der Ablage zu stark bewegt werden, können beim Jungtier Fehlbildungen entstehen. Außerdem muss auch aus einem weiteren Grund darauf geachtet werden, dass die Eier nicht verdreht werden: Die Jungtiere liegen in dem Ei schon mit dem Kopf oben. Da bei der Eiablage der Madagaskar-Taggeckos meistens Doppeleier und nur äußerst selten Einzeleier entspringen, können die Doppeleier in der Natur nicht gedreht werden. Falls nun eine Drehung beim Übersetzen in den Brüter durch Menschenhand passieren sollte, kann es also sein, dass der junge Gecko nicht mehr schlüpfen kann, da sein Kopf womöglich nun 'unten' anstatt 'oben' im Ei positioniert ist.

Das Aquarium an sich haben wir mit einer Frischhaltefolie mit Löchern zur verbesserten Luftzirkulation im 'Brüter' abgedeckt. Außerdem ist an dieser Stelle noch wichtig zu erwähnen, dass die kleine Schale mit den korrekt platzierten Eiern auch noch ausbruchssicher gestaltet werden muss: Wenn die Kleinen schlüpfen, klettern sie ohne Weiteres auch die niedrigen Wände der Schale hoch und könnten dann mit etwas Pech ins Wasser des Aquariums fallen und würden dort dann leider ertrinken, da es aus dem Aquarium keinen Weg hinaus gibt. Zur Abdeckung der Schale eignet sich NICHT eine Petrischale, da damit die nötige Luftzirkulation nicht mehr gewährleistet ist. Nachdem mir dies bewusst wurde, stieg ich sofort auf ein  relativ engmaschiges  Keschernetz um, welches ich mit Gummibändern an der Schale befestigte.

 

Nun stand der Brüter also fertig da, er hatte seinen Platz neben unseren 3 Terrarien mit den Australischen Gespensterschrecken, den Wandelnden Blättern und den Stabschrecken gefunden. Nach etwa 2-3 Monaten können die jungen Phelsumen schlüpfen.

Nun hieß es also abwarten, wobei meine Begeisterung immer weiter stieg. Bis Max mir meine Euphorie nahm. Es war noch nicht einmal sicher, ob die Eier überhaupt befruchtet waren und wenn ja, ob die kleinen Geckos es auch schafften, sich im Brüter genügend zu entwickeln! Dies waren schließlich die allerersten - und bisher auch einzigen - Eier der Elterntiere. Das Ganze war also nur als ein Versuch, ein Experiment anzusehen.

Mit dieser niederdrückenden Nachricht hieß es also nicht nur Abwarten, die neue Devise klang eher so:  abwarten, den Eiern im Brüter "guten Mut zusprechen", Daumen drücken und Tee trinken. - Na, in Volkers und meinem Fall wohl eher fleißig Kaffee trinken!

(c) Hanna Hinrichs